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Testbericht: Graef Salita & Kaffeemühle CM 702

By 2019-12-02Juli 4th, 2020No Comments

UPDATE 4. Juli 2020: Meine anfängliche Begeisterung über die Salita erfuhr Anfang des Jahres einen Dämpfer als die Maschine nach ca. zwei Monaten defekt war. Es dauerte etwas, bis ich wieder eine funktionierende Maschine hatte, doch diese lief dann längere Zeit einwandfrei. Inzwischen habe ich sie verkauft, da meine Kaffee-Ambitionen das Können der Kleinen doch überschreitet. Einem ambitionierten Einsteiger würde ich sie nach wie vor aufgrund des niedrigen Preises empfehlen. Es sei jedoch gesagt, dass man für mehr Geld auch wirklich mehr Leistung bekommt.

Als Pilot bin ich auf der ganzen Welt unterwegs. Natürlich in Italien, aber auch in Asien und Nordamerika suche ich die besten Cafés, trinke einen Cappuccino und – wenn es kleine, feine Röstereien sind – bringe auch mal einmalige, in Kleinstserie gerösteten Bohnen mit. Da gibt’s dann auch zuhause Espresso und Cappuccino, die einfachen aber gute Referenzen für Kaffee, Barista und Maschinen: Wie sind die Bohnen (Ursprung, Röstung, Mahlung) und wie der Milchschaum (cremig, fest und doch leicht)?
Einem Aufruf auf Instagram folgend bewarb ich mich auf den Test der neuen, auf anspruchsvolle Einsteiger ausgelegten Siebträgermaschine Salita von Graef und der passenden Kaffeemühle CM 702. Ich wurde als einer von 50 Personen ausgewählt, die die Maschinen kostenlos zur Verfügung gestellt bekamen, um sie vier Wochen lang auf Herz und Nieren zu prüfen. Nach Ablauf dieser Zeit hatten wir die Wahl, sie ohne weitere Verpflichtung zurückzuschicken, oder sie gegen einen ehrlichen Testbericht und die Zahlung von 99 € zu behalten. Da ihr diesen Text lest, ist es offensichtlich, dass ich ausreichend zufrieden war, um euch über die Vor- und Nachteile der Salita und Graefs Kaffeemühle zu berichten.

Für einen guten Kaffee gibt es nur eine Option: alles so frisch wie möglich! Für den Test wurden mir von Leuchtfeuer Coffee in Hamburg freundlicherweise zwei 250 g Tüten Espresso zur Verfügung gestellt, der etwas mildere und fruchtigere Sandbank sowie der kräftigere und schokoladige Waseberg. Beide sind Mischungen, die Fehler verzeihen – sowohl die des Anwenders als auch der Maschine. Mir ist eine Bohne lieber, dir mir konsistent eine 8/10 Qualität liefert als eine, bei der 10/10 möglich sind, ich aber beim geringsten Fehler nur 6/10 erreiche. Den Kaffee bekomme ich nur wenige Tage nach dem Röstvorgang. In der verschlossenen Tüte soll er sich ein halbes Jahr lang halten, doch das würde ich nicht machen (und wird auch nicht passieren). Ist die Tüte einmal geöffnet und der Kaffee in der Mühle, sollte er nach spätestens zwei Wochen verbraucht sein. Auf Vorrat mahlen kommt nicht in Frage: Das Kaffeemehl oxidiert, zum ausschließlichen Nachteil der Qualität.

Die Graef Geräte sind schnell aufgebaut, die Mühle befüllt und schon beim Einschalten der Salita gibt es die erste positive Überraschung. Während eine größere Siebträgermaschine gute 15…20 Minuten braucht, bis sie betriebsbereit ist, zeigt die Statusleuchte des Testgerätes nach einer knappen Minute die Bereitschaft an. Es kann los gehen! Zunächst mahle ich acht Gramm Sandbank in den Siebträger. Die Mühle bietet Stufen von 1…25, fein bis grob. Für Espresso wähle ich eine feine Einstellung zwischen fünf und zehn. Der Mahlvorgang ist ziemlich laut und das Kaffeemehl trifft nicht ausschließlich den Siebträger, sieht jedoch gleichmäßig aus. Das mitgelieferte Kunststoffteil, dass am einen Ende einen Messlöffel und am anderen eine als Tamper benutzbare Scheibe hat, wird wohl als erstes durch etwas solideres ersetzt. Für den Anfang tut es aber das, was es soll. Um den Siebträger in die Salita einzuhängen, muss man die Maschine mit der anderen Hand festhalten. Sie ist nicht nur kompakt, sondern auch sehr leicht. Das hat den Vorteil, dass man sie problemlos wegräumen kann, wenn sie nicht in Gebrauch ist, führt jedoch auch dazu, dass man sie im Betrieb schnell versehentlich verschiebt.
Das Drehrad an der Front der Einkreismaschine wird nach links gedreht, mit rhythmischem Pumpen setzt sich der Brühvorgang in Gang und aus dem Siebträger rinnt ein sehr dünner, schnell laufender Kaffee. Der Mahlgrad muss also deutlich feiner sein, ich kann auch das Kaffeemehl fester andrücken. Schnell habe ich um Stufe fünf und mäßigem Anpressdruck von ca. 8…10 kg das Optimum für einen Espresso gefunden, der sich schön ölig aus der Maschine windet. Er läuft zwar noch immer schneller als der gewünschte eine Milliliter pro Sekunde, zeigt jedoch eine erstaunliche Crema! Ein feinerer Mahlgrad oder höherer Anpressdruck führen leider schnell dazu, dass der Kaffee fast gar nicht mehr läuft und mit sichtlicher Mühe aus dem Siebträger tropft. Auch findet sich nach Entfernen des Siebträgers darin nicht der gewünschte trockene “Kuchen” oder “Puck”, sondern ein nasser Kaffeebrei. Hier zeigt sich eine Schwäche der kleinen Salita: Sie erreicht wohl nicht ganz den Druck anspruchsvollerer Maschinen. Doch das muss sie nicht, kostet sie doch ein Zehntel dessen, was der ambitionierte Nutzer für diese Geräte bezahlt. Was für mich zählt ist das Ergebnis, das in die Tasse läuft, und das ist überraschend gut!

Nach dem Espresso teste ich die zweite Funktion der Salita, die Dampfdüse. Diese hat einen Aufsatz, der automatisch zu einem perfekten Milchschaum verhelfen soll, doch das gelingt mir überhaupt nicht. Ich nehme ihn ab und benutze die Düse “solo” und empfehle das jedem, der Wert auf feinporigen, cremigen Schaum legt. Im Internet finden sich diverse Video-Tutorials zu diesem Vorgang und ich finde, er ist wirklich kein Hexenwerk. Nachdem ich das Kondenswasser aus der Düse abgelassen habe, tauche ich sie in die Milch und drehe das Rad an der Salita nach rechts. Es dauert 5…10 Sekunden, dann zischt der Dampf. Auch hier zeigt sich die kompakte, einfache Bauart. Insgesamt benötige ich rund eine Minute, um den Schaum zunächst hoch zu ziehen und die Milch dann mit tiefer eingetauchter Düse zu erwärmen. Wieder komme ich aber auch zum gleichen Schluss wie bereits beim Espresso: Das Ergebnis zählt und von diesem können sich die meisten Cafés eine Scheibe abschneiden. Solch einen feinporigen, samtigen Milchschaum erlebe ich selten!
Die Reinigung der Geräte verläuft schnell und unkompliziert. Zwischen Einsätzen wird der Siebträger nur ausgepinselt, danach zerlegt und in warmem Wasser gespült. Die Wasserauffangschale der Salita lässt sich entnehmen und ebenfalls schnell säubern. Einmal in der Woche sollte man darüber hinaus die Mühle reinigen. Das erfordert ein paar zusätzliche Handgriffe, ist aber auch in fünf Minuten erledigt.

Je nachdem, wen man fragt, bekommt man den Ratschlag, als Kaffeeliebhaber rund 2500 € in eine Komplettausrüstung bestehend aus Siebträgermaschine, Kaffeemühle, Tamper und Kleinzubehör zu investieren. Für ein Zehntel davon erhält man die Salita und die CM 702, deren Onlinepreise gut 20% unter den Listenpreisen von 220 € bzw. 110 € liegen. Meinen Test habe ich als anspruchsvoller Nutzer durchgeführt, die preiswerten Geräte verglichen mit den Maschinen, die ich gerne hätte, mir aber nicht leisten kann oder will. Und mein Fazit ist genau das: Die Maschinen aus dem Hause Graef sind tatsächlich mehr wert als ihren Preis. Wer zuhause ein Ergebnis möchte, das einen 90% aller Cafés künftig links liegen lässt, und ein paar Abstriche bei Geräuschentwicklung und Wasserdruck in Kauf nehmen kann, der ist mit der Kombination aus Salita und CM 702 gut beraten. Wer jetzt eine haben möchte, für den habe ich einen Gutschein, der im Graef Onlineshop benutzt werden kann: “Salita10-ulrichbeinert”. Ich profitiere davon nicht, ich habe ja schon meine Maschine. Der Gutschein ist bis 29.2.2020 gültig.

Mein besonderer Dank geht zum Schluss an Leuchtfeuer Coffee für die Espressobohnen für diesen Test. Die Beratung traf mitten ins Schwarze und der Kaffee schmeckt sensationell! Ich kann nur empfehlen, bei dieser kleine, feine Rösterei zu bestellen.